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Gut genug! Sieben Wochen ohnen falschen Ehrgeiz
Heute ist große Lagebesprechung. Gleich nach dem Gottesdienst wollen sich Julia und Sebastian noch mal in Ruhe die Kirche angucken. Im Mai wollen sie sich hier trauen lassen.
Die Pfarrerin führt sie durch den Raum. „An den Bänken können Sie gern auch Blumenschmuck anbringen“, sagt sie. „Manche machen das mit bunten Bändern und kleinen Vasen. Und hier vorne, vor dem Altar, stellen wir dann die Stühle hin für Sie beide. Sie können es sich aussuchen, ob Sie mit dem Rücken zur Gemeinde sitzen wollen oder lieber etwas schräg. Dann haben Sie Sicht auf die Gemeinde und können auch zu mir am Altar schauen. Und die Festgemeinde in den Bänken kann dann Ihre Gesichter sehen während der Ansprache, das finden manche ganz schön.“ Julia und Sebastian wollen das ausprobieren. Die Küsterin kommt mit den zwei „Hochzeitsstühlen“. Die sehen richtig pompös aus. Zwei antike Stühle mit gepolsterter Sitzfläche und geschnitzter Stuhllehne.
Plötzlich weint Julia. „Ich habe solche Angst, dass da was schief geht. Das ist so ein Druck. Mir ist das eigentlich alles viel zu viel“, schluchzt sie. Die Pfarrerin ist erstaunt. Da planen die beiden ein so schönes Fest und dann so viele Tränen? Sie spürt: Der Perfektionsdrang von Julia ist riesig.
„Wissen Sie“, sagt sie und reicht der Braut ein Taschentuch, „eine Trauung bei der alles gut geht, die vergisst man. Wenn aber was schief geht, da sprechen alle auch noch Jahrzehnte später drüber.“ Mit diesem Hinweis auf die unterhaltsameren Pannenhochzeiten versucht die Pfarrerin ein bisschen Druck von Julia zu nehmen. Mit kleinen Unfällen und Missgeschicken erst wird ein Fest einmalig. „Stimmt“, sagt Sebastian. „Weißt du noch, mein 25. Geburtstag? Da sollte auch alles perfekt sein. Papa hat mir eine Skihütte spendiert, in die ich meine besten Freunde einladen konnte. Das war klasse. Und was mach ich? Brech mir gleich am ersten Tag ein Bein und muss ins Krankenhaus. Mann, gings mir schlecht. Ich hab mir echt Sorgen um mein Bein gemacht. War nix mit Party mit Freunden auf der Skihütte. Stattdessen reiste auch noch die Familie an und alle kamen zu mir ins Krankenhaus. Freunde und Familie mit Kuchen und Luftballons am Krankenbett. Und im Picknickkorb hatten sie unseren kleinen Hund eingeschmuggelt. Das werd ich nie vergessen. Ich war so froh, dass nicht noch viel Schlimmeres passiert ist und dass alle bei mir waren. Davon erzählen wir uns heute noch bei jedem Geburtstag.“
Julia wird nachdenklich. „Ja“, meint sie. „Irgendwie blöd. Dauernd kriegt man das ja auch vorgesetzt. Das perfekte Dinner, die Traumhochzeit. Und dann meint man, dass man selbst das auch alles filmreif abliefern muss.“
Die Pfarrerin bugsiert die beiden aus der Kirche. „So, jetzt kommen Sie mal mit. Jetzt gibt’s bei mir eine Tasse Tee und dann zeig ich Ihnen unseren Kalender für die Fastenzeit, in der wir ja gerade sind. Das Motto heißt: Gut genug! Sieben Wochen ohne falschen Ehrgeiz. Zweieinhalb Wochen sind zwar schon rum, aber anfangen lohnt sich immer.“
Julia und Sebastian finden das Motto klasse. Damit lässt sich die Hochzeit entspannter planen.
Die Pfarrerin hat dazu auch noch einen guten Spruch aus der Bibel parat: „Voll Freude will ich über dich jubeln, Gott, denn du hast mich befreit.“ (Psalm 71,23, Die gute Nachricht) Zum Beispiel vom falschen Ehrgeiz. Einen Ehrgeiz freien Sonntag wünscht Ihnen
Ihre Pfarrerin Petra Schulze aus Düsseldorf.
www.7wochenohne.evangelisch.de
Gut genug! Sieben Wochen ohnen falschen Ehrgeiz
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