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Hin und Zurück
Heute sind die Drei auf dem Rückweg. So jedenfalls stelle ich es mir vor. Freitag, den 6. Januar: Anmarsch und Ankunft. Samstag, den 7. Januar:
Einfach Dasein. Schauen. Sprechen. Verschenken. Genießen. Und heute also, am 8. Januar: Der Weg zurück ins Leben. Die Heiligen drei Könige. Und die meisten von uns in ihrem Schlepp. Morgen ist nämlich der Alltag endgültig wieder da. Mit Sylvester und dem Dreikönigstag konnte man wenigstens noch ein bisschen den Weihnachtstraum hinüberretten. Das geht jetzt nicht mehr so leicht. Morgen fängt die Schule wieder an. Der Skiurlaub ist vorbei. Die Rechnungen flattern ins Haus.
Aber wie schade wäre es, wenn so gar nichts mehr vom Weihnachtsweg übrig bleiben würde. Dem Anmarsch darauf. Dem Genuss der wundersamen Zeit. Und dem bewussten Aufbruch danach. Die Heiligen drei Könige jedenfalls machen aus dem Dreischritt jedes Mal ein Fest. Das beginnt damit, dass sie sich jedes Jahr wieder neu auf den Weg machen zu einem neugeborenen König. Seit über 2000 Jahren. Irgendwann einmal hätten sie es ja auch lassen können. Irgendwann hätten sie ja sagen können: „Freunde, es reicht: Hinwandern, Staunen, Rückmarsch – das haben wir jetzt schon so oft gehabt. Lasst uns mal was anderes machen. Vielleicht gibt’s ja noch einen schöneren Stall!“ Aber das haben sie nicht. Sie machen es wieder und wieder: Aufbruch, Ankunft, Rückzug.
Und? Bin ich ihnen so unähnlich? Da war zunächst auch für mich die Zeit vor dem Fest. Die Vorbereitung. Die Neugier. Die Suche nach dem Geheimnis des Lebens. Nichts Öderes, als wenn ich keine Lust mehr auf Neues und Größeres hätte. Im Grunde hatten ja die Drei Heiligen, die Weisen, die Sterndeuter kein unerfülltes Leben. Sie schauten den Himmel an und waren nicht unzufrieden dabei. Ihr Leben war ganz OK, bis zu dieser eigenartigen Nacht, als ein besonderer Stern am Firmament auftauchte. Ein Lockmittel zu einem größeren Glück. Ihn sehen und die Kamele satteln waren eins. Mit mir war’s im Advent nicht viel anders gewesen. Ich hätte ja auch sagen können: „Nee, bitte nicht schon wieder Weihnachten!“ Habe ich aber nicht. Ich habe mich auch mal wieder auf die Socken gemacht. Zum Fest des neugeborenen Königs, mit Geschenken in der Hand. Spannung. Erwartung. Vorfreude: Ehrlich, was wäre eigentlich mein Leben ohne diese drei Glücksmomente? Tagebucheintragung der Könige am Freitag, den 6. Januar: „Eiskalte Nacht. Trotzdem weitergeritten. Falsche Ankunft bei einem falschen König. Nicht aufgegeben. Weiter dem Stern hinterher.“ Das könnte auch ich geschrieben haben. Der Weg auf Weichnachten zu. geht oft in Schlangenlinien. Rein in die Sackgasse und wieder raus. Wenn der Blick auf den echten Weihnachtsstern wieder mal von so viel unechten „stars“ überzuckert wurde: Nicht aufgegeben!
Dann aber der große Auftritt. Der Ankunftstag. Die unbändige Freude. Das Glück. Die Weisen aus dem Morgenland haben das in ihrem Tagebuch so festgehalten: „Einfacher Stall. Aber was lag da nicht alles drin! Freude bekommen und Freude gemacht: Mit Gold, Weihrauch und Myrrhe.“ Auch ich habe an diesem Fest des Lebens teilgenommen. Lichter. Schmausen. Glück.
Und heute ist Sonntag, der 8. Januar. Der Weg in den Alltag zurück. Im biblischen Tagebuch der Könige steht: „Haben uns entschieden, anders zurückzureisen als wir hergekommen sind.“ (Matthäus 2,12) Es wäre klug, den Dreien auch darin zu folgen, denke ich. Auch ich muss ja nicht so weitermachen wie bisher. Auch ich kehre vom Fest verändert zurück - in ein gutes neues Jahr.
Dies wünscht Ihnen heute Pfarrer Max Koranyi aus Königswinter.
Hin und Zurück
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