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Die Frage nach dem Heiligen
Als wir letztens im Büro versuchten, einen gemeinsamen Termin zu finden, sagte eine Kollegin: „Am Samstag kann ich nicht. Da ist Familientag, und die Familie ist mir heilig!“
Mir lief dieses Wort nach: Was ist uns eigentlich noch „heilig“? Brauchen wir so was?
Als „heilig“ bezeichnen wir etwas, das eine besondere Bedeutung erfährt und eben nicht „profan“, alltäglich ist. Etwas, das Orientierung geben kann und Sinn.
„Ich glaub an Dich“, singt Tokio Hotel: „Du wirst für mich immer heilig sein“ - Ein Ausdruck tiefer Liebe in religiösen Sprachwendungen, zu hören ganz oft in der Pop-Musik und in der Werbung. Vielleicht ein Indiz dafür, dass Menschen heute doch noch etwas „Heiliges“ brauchen. Die Musik- und Werbeindustrien nutzen das natürlich. Ihnen sind die Verkaufszahlen und Renditen heilig. Eine Pervertierung des Begriffs wiederum, der Gewinn und Erfolg zu Götzen erhöht.
Was ist mir noch „heilig“? Meine Familie? Mein Fußballabend? Meine Arbeit bzw. das, was ich geschafft habe im Leben? Gott?
Die Freunde Jesu glaubten damals, endlich etwas gefunden zu haben, wofür es sich zu leben lohnt. Petrus bezeichnete den Wanderprediger Jesus an einer Stelle als „den Heiligen Gottes“. „Wohin sollen wir gehen?“ fragte Petrus. „Du vermittelst Leben.“
Das Problem mit dem so heilig Gesprochenen wurde dann allerdings sehr schnell deutlich: Jesus ließ sich nicht vereinnahmen. Immer wenn man meinte, ihn zu haben, entzog er sich. Und umgekehrt: Weil er sich immer wieder entzog, meinte man, ihn festhalten zu müssen. Dem „Heiligen“ baute man Heiligtümer. Dem, der nie eine Kirche gründete, weihte man Kirchen. Den, der Institutionen radikal kritisierte, vertreten heute Institutionen. Den Wanderprediger, der sich bei den Menschen am Rand aufhielt, zerren wir in die Mitte mittelständiger Bürgerlichkeit. Der von ihm angesagte lebendige Glaube verkümmerte zu dogmatischen Glaubenssätzen.
Auf die Frage nach dem, was heilig ist, kann es nur vorläufige Antworten geben. Ganz sicher ist: Es wird nicht an der Börse „gezeugt“ oder in den Zentralen der multinationalen Konzerne zum Zweck der Renditesteigerung; auch nicht in Banken- und Regierungspalästen. Während wir immer wieder gern nach oben blicken und erwartungsvoll den Himmel nach einem neuen Stern absuchen, stolpern wir über ein Kind. „Der Heilige“ - Gott ist nicht oben! Der Gott Jesu ist kein Siegergott, kein Marktführer. Verletzbar ist er und schwach, schutzbedürftig wie das Kind in der Krippe. Auch wenn es nicht gefällt: Er ist bei den Verlierern, bei den Opfern. Dort lässt er sich finden.
Meine Familie ist nicht „heilig“, meine Arbeit auch nicht, selbst nicht mein Fußballabend. Sie sind mir wichtig. „Heilig“ ist allein Gott und der Moment, in dem er sich auffinden lässt. Das kann an Orten sein, die der Gottlosigkeit verdächtig sind; in Begegnungen mit Menschen, die nichts mit ihm zu tun haben wollen; überraschend und unerwartet. Mitten drin. Augenblicke, die mir vielleicht eine neue Perspektive aufzeigen, die Sinn machen und so meine Zeit heiligen.
Die Frage nach dem Heiligen
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