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Woran Promis glauben: Jürgen Domian
Autor: Hatten Sie eine gute Nacht, liebe Hörerinnen und Hörer? Hoffen wir’s! Schwarz ist die Nacht. Sagt man. Unheimlich und bedrohlich kann sie sein.
Man kann sich in der Nacht verlieren. Aber auch viel gewinnen. Keiner weiß das besser als der Night-Talker des WDR, Jürgen Domian.
O-Ton: Man spricht in der Nacht miteinander anders als im prallen Sonnenschein nachmittags im Eiscafé. Es ist stiller, es ist eben dunkler, und da kommt manch einem manches hoch, was man vielleicht so im Tagesgeschehen und im hektischen Alltag überspielt, vergisst, übertüncht.
Autor: So können schlaflose Nächte ein Segen sein - wenn Du jemanden hast, mit dem Du reden kannst.
O-Ton: Vielleicht können auch Menschen ihren Lebensweg gehen, indem sie bis zum 90igstens Lebensjahr alles verdrängen und sich zuballern mit irgendwelchen Sachen, mag sein, aber ich spüre das, wenn ich das machen würde, und ich hab’s auch in meinem Leben schon phasenweise gemacht, ich bin nicht zufrieden mit mir, es brodelt immer irgendwie auf.
Autor: Bei Domian vor allem die Frage nach der Endlichkeit des Lebens, die Frage nach Sterben und Tod.
O-Ton: Das ist ein großes Thema seit einiger Zeit schon für mich, es ist ein permanentes Thema, sagen wir’s so. Es sterben Menschen aus dem Umfeld, vor vier Jahren ist mein Vater gestorben. Ich kann das nicht so zur Seite legen und zur Tagesordnung übergehen.
Autor: In seiner Jugendzeit war der im bergischen Gummersbach Aufgewachsene „fest verankert im Glauben und in der Ethik des Christentums“, wie er selber sagt.
O-Ton: Es ist ja eine Gnade, wenn man Glauben kann, denn ein gläubiger Mensch hat es im Leben leichter als ein Ungläubiger.
Autor: Wozu leben wir, wenn wir am Ende sterben? Was wird mit uns sein, wenn wir nicht mehr sind? Dazu hätte der jugendliche Domian genügend Antworten parat gehabt. Doch die Zeiten sind vorbei. Durch die Beschäftigung mit atheistischen Philosophen wie Nietzsche und Feuerbach ist ihm der Kinder- und Jugendglaube schon vor Jahren abhanden gekommen.
O-Ton: Wenn das alles wegbricht, steht man erst mal alleine da, aber unfassbar alleine, in einer unfassbaren Leere, so habe ich das damals aufgefasst. Da hatte ich meinen ganzen Glauben zertrümmert, der lag da auf dem Boden, aber ich hatte auch nichts Neues. Ja, das war nicht schön.
Autor: Durch die Begegnung mit verschiedenen Menschen hat sich inzwischen vieles geändert, das spirituelle Vakuum wieder gefüllt. Auch durch den Weg in die Stille, den er bewusst geht. Auf längeren Urlaubsreisen in die Einsamkeit der Seen und Wälder Lapplands.
O-Ton: Das ist das komplette Kontrastprogramm zu meinem normalen Alltag während des Jahres, wo ich sehr viel reden muss, sehr viel kommunizieren muss, mit Menschen zusammenkomme, das ist ein wenig wie Exerzitien halten.
Autor: So nähert sich Domian wieder der Frage nach Gott und dem Glauben.
O-Ton: Ja, ich bin zumindest kein Atheist mehr, beileibe nicht mehr. Ich habe mich in den letzten Jahren sehr viel mit Zen-Buddhismus beschäftigt, aber das ist alles noch Abtasten, das weiß ich noch nicht so richtig.
Autor: Den Stein der Weisen hat er nicht gefunden. Aber wer findet den auch schon?!
O-Ton: In meinem Fall ist es schon, dass ich mich auf einer spirituellen Suche befinde und ich meine Fühler so ausstreck, ja, suche, suche ist das richtige Wort. Das ganze Leben ist Bemühen, und das ganze Leben ist Ringen, da bin ich ganz sicher, Ringen um den richtigen Weg.
Woran Promis glauben: Jürgen Domian
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