Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

18.06.11, Pastor Sebastian Begaße

Computertheologie

Manchmal glaube ich, mein Computer hat Theologie studiert: Als ich einen Text unter dem Namen „G.O.T.T. = Gott“ sichern will, fragt er mich:

„Möchten Sie die Änderungen in `Gott` speichern?“ Ich klicke mutig auf JA – denn in meinem Glauben lerne ich ständig Neues hinzu. Doch mein Computer erwidert: „´Gott´ kann nicht geändert werden, ´Gott´ ist schreibgeschützt.“ Hm! „Gott“ ist also schreibgeschützt… Ich drücke auf die rechte Maustaste und erhalte weitere Informationen über die Eigenschaften von „Gott“: Ich kann den Schreibschutz auch aufheben, ihn also veränderbar machen. Ich überlege: Kann ich „Gott“ nach eigenen Wünschen so wie eine Datei ändern?

Mein Computer informiert mich weiter: „Gott“ ist eine Text-Datei. Ja, das stimmt in einem gewissen Sinne: Über Gott gibt es viele Texte, sogar ein ganzes Buch – die Bibel. Meine Datei besteht derzeit aus ca. 4000 Zeichen und beansprucht nur 25 KB Arbeitsspeicher. Das kommt mir zwar etwas wenig vor, aber vielleicht wird „Gott“ ja mit der Zeit noch größer.

Im Übrigen zeigt mir eine Statistik an, wann ich das letzte Mal „Gott“ aufgerufen habe. Mir fällt wieder ein, dass ich heute noch mit Gott einiges zu besprechen hätte und das nachher noch im Gebet tun wollte. Mein Computer bietet mir nun noch eine weitere Möglichkeit an: Gott kann mit einem Passwort verschlüsselt werden. Wie wichtig wäre ich - wenn nur ich auf Gott zugreifen könnte! Jeder andere müsste erstmal an mir vorbei. Aber darf ich darüber entscheiden, für wen Gott erreichbar ist? Ich glaube: Gott ist nicht nur für besondere oder einzelne Menschen da. Er will für alle erreichbar sein.

Anscheinend habe ich jetzt aber irgendeine falsche Taste gedrückt, denn mein Computer erklärt: „Die Anwendung `Gott` ist ungültig. Sie haben einen `schweren Ausnahmefehler` verursacht.“ Es ist also endgültig geschehen: Gott ist abgestürzt!

Ich erinnere mich an Situationen, in denen ich richtig auf die Nase gefallen bin. Mir fallen Menschen ein, die richtig tief abgestürzt sind. Die es nicht leicht hatten...

„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“, ruft Jesus Christus selbst am Kreuz. Dabei hatte er gar nichts Böses getan. Jesus wurde verurteilt, weil er predigte, dass es für Gott keine hoffnungslosen Abstürze und auch keine hoffnungslosen Fälle gibt. Jesus hat selbst auch nie jemanden für etwas verurteilt. Gott selbst stürzt in Jesus für uns am Kreuz ab.

Mit banger Hoffnung starte ich das Programm erneut – ob „Gott“ noch zu retten ist? Mein Computer meldet beruhigend: „Gott wurde wieder hergestellt“!  Puh, ein Glück: Nichts ist verloren gegangen! Mir fällt ein: Auch bei Gott geht nichts verloren: An Ostern stand Jesus Christus nach drei Tagen wieder auf. Damit bewies Gott: Er ist stärker als der Tod.

Zur Sicherheit habe ich die neue Datei aber nun gleich dreimal abgespeichert. Als ich die alte Datei löschen will, wehrt sich mein Computer ein letztes Mal und fragt: Soll „Gott“ wirklich in den Papierkorb verschoben werden?“ Bei dem Gedanken ist mir nicht ganz wohl... Aber dann klicke ich entschlossen auf JA. Denn ich bin fest überzeugt: Gott ist danach immer noch da! Auch wenn ich ihn in den hintersten Winkel der Festplatte verschoben habe. Als ich am Ende des Tages den Papierkorb leere, habe ich kein schlechtes Gewissen. Denn Gott ist keine Datei. Gott ist kein Programm. Gott kann ich gar nicht löschen. Gott bleibt Gott.

Vielleicht nutzen Sie morgen einen Gottesdienst als Update? Herzliche Grüße von Ihrem Pastor Sebastian Begaße aus Dortmund

Audiobeitrag Computertheologie


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