Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

14.06.11, Pastor Sebastian Begaße

Nicht kaputt sorgen

„Guten Morgen, liebe Sorgen! Seid ihr auch schon alle da?“ So besingt der Komiker Jürgen von der Lippe die mehr oder weniger alltäglichen, kleinen Sorgenmacher.

Klar, manche Panne lässt sich mit Humor meistern und nicht alles, was mühsam ist, macht mir sofort Sorgen. Aber ab wann werden denn kleine Pannen zu Sorgen?

Im Deutschen hat das Wort Sorge mehrere Bedeutungen: Einmal die positive Form der Sorge: Für etwas sorgen. Im Sinne von: Sich intensiv um etwas kümmern. So kann ich mich für die Umwelt,  für den Beruf,  für gelingende Beziehungen einsetzen. Diese Sorge für etwas nennt man „Für-Sorge“. Die andere Form der Sorge ist: sich Sorgen machen! Und oft sind meine Sorgen sogar wirklich selbstgemacht. Diese negative Form von Sorge entsteht vor allem durch Angst: Angst vor einer Prüfung, Angst vor Verlust, Angst vor Arbeitslosigkeit. Ich zittere schon jetzt vor dem, was noch gar nicht eingetreten ist.

Dabei ist klar: Die Zukunft bleibt immer ungewiss! Ich weiß nicht, was morgen alles passieren kann. Und genau daraus bezieht die Sorge dann ihre Energie. Dabei hilft es schon, mir klarzumachen: „Ich hab´ zwar Sorgen – aber die Sorgen haben nicht mich! Ich kann immer noch etwas tun – und wenn ich es allein nicht schaffe, kann ich mir von anderen helfen lassen.'“

Aber es gibt auch Sorgen, für die ich gerade keine Lösung habe. Diese Sorgen kann ich an Gott abgeben. In der Bibel ermutigt der Apostel Petrus die Gemeinde: „ALLE eure Sorge werft auf ihn. Denn Gott sorgt für euch!“ (1. Petrus 5,7)

Stimmt das? Kann ich wirklich ALLE kaputtmachenden Sorgen an Gott abgeben?

Jesus hat das mit seinen Freunden in unübertroffener Weise nicht nur gepredigt, sondern auch vorgelebt, als er damals durch das Land Galiläa wanderte. Sie besaßen keine Reisetaschen, kein Haus, noch nicht einmal Schuhe. Und sie überlebten doch. Natürlich nicht ohne die Hilfe von Menschen, die ihnen Nahrung, einen Schlafplatz und Kleidung gaben. Sie fragten um Hilfe und setzten der kaputtmachenden Sorge um sich selbst eine Entscheidung entgegen. Sie vertrauten auf das, was Jesus sagte: „Sorgt euch nicht um morgen. Es reicht, dass jeder Tag seine eigene Last hat! Darum sollt ihr auch nicht fragen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht.“ (Matthäus 6, ab Vers 25)

Ich verstehe Jesus so: Gott weiß, was ich zum täglichen Leben brauche. Gott will dafür sorgen, dass ich das bekomme. Dabei bleibt es aber ein Geheimnis, wie und wodurch Gott hilft. Das kann durch andere geschehen. Das kann auch geschehen, wo andere mich ermutigen, die Dinge anzupacken. Solange ich selber noch in der Lage bin zu handeln, kann ich mich nicht zurücklehnen. Ich muss mein Leben selbst verantworten. Aber ich kann dabei mit Gottes Hilfe rechnen.

Wie das funktionieren kann, erzählt Jesus an anderer Stelle: Mitten in der Nacht klingelt ein Mann einen Freund aus den Federn, weil er Brot braucht. Jesus erklärt den Zuhörern, warum solche Bitten gute Chancen auf Erfolg haben: Und wenn der Freund dem anderen schon nicht aus Freundschaft hilft,  dann wird er doch wegen des unverschämten Drängens aufstehen und seinem Freund  geben, soviel er braucht. (Lukas 11,8)

Jesus ermutigt also dazu, sich nicht von Sorgen erdrücken zu lassen. Sondern Gott und Menschen schamlos, ja fast dreist, um Hilfe zu bitten. Ich soll damit rechnen, dass ich das bekomme, worum ich bitte. Das bringt mich zum Handeln gegen die lähmende Sorge. Gott will mich aber nicht nur von meinen Sorgen befreien – sondern auch zur Für-Sorge für andere. Damit ich anderen auch das geben kann, worum sie mich bitten.

Einen sorglosen Tag wünscht Ihnen heute Pastor Sebastian Begaße aus Dortmund.

Audiobeitrag Nicht kaputt sorgen


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