Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

04.06.11, Pfarrer Reinhard Ellsel

Anders gewichten! (Matthäus 6,31-34)

Liebe Hörerinnen und Hörer! In dieser Woche findet in Dresden der 33. Deutsche Evangelische Kirchentag statt.

Die meisten Teilnehmer beginnen diese Tage mit einer Bibelarbeit. In der Bibelarbeit heute geht es um Worte von Jesus aus der Bergpredigt:

Sprecherin: "Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Nach alledem trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft. Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen."

Damals wie heute die gleichen Sorgen, die gleichen Fragen: wie steht es um unsere Grundbedürfnisse wie essen und trinken, Kleidung, ein Dach über dem Kopf . Selbst wir, die wir in einem reichen Land leben, wo die Grundbedürfnisse für jedermann gewährleistet sind, machen uns gelegentlich noch sorgen. Wenn nicht um diese Grundbedürfnisse, dann halt um andere. Jesus gewichtet die Bedürfnisse anders: "Lass dich nicht von deinen Sorgen leiten, sondern lebe nach Gottes Willen. Dann lösen sich viele Sorgen von ganz allein." Wir sollen also dafür sorgen, dass wir mit Gott und seinen reichen Möglichkeiten in Verbindung stehen. Das ist die einzige Sorge, die sich wirklich lohnt.

Mir leuchtet das ein. Wenn ich mich von meinen Sorgen löse und auf Gott einlasse, dann werde ich dazu frei, auch einmal die Geschenke zu sehen, die ich jeden Tag bekomme. Und das befreit mich dazu, auch die Nöte der anderen zu sehen, und ihnen mit meinen Fähigkeiten ein wenig zu helfen.

Das ist ja gerade ein großer Missstand, dass jeder immer nur sein eigenes Päckel sieht, das er zu tragen hat. Und weil viele überhaupt nicht mehr dazu in der Lage sind, anderen wirklich zuzuhören, deshalb sind sie letztlich in ihren eigenen Problemen gefangen, wie ein Verbannter auf einer einsamen Insel. Aber wenn wir versuchen, uns einmal für die Nöte anderer zu öffnen, können wir von der erdrückenden Macht unserer eigenen Sorge befreit werden. Wir hören vielleicht auch von konkreten Lösungsmöglichkeiten, mit denen andere versuchen, ihre Probleme zu meistern.
Und Jesus gibt uns noch einen wertvollen Hinweis, wie wir mit unseren Sorgen fertig werden können:
 
Sprecherin: "Sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat."

Jesus empfiehlt uns, dass wir unsere Sorgen aufteilen. Jeder einzelne Tag ist erst einmal zu leben und wir leben im Heute und nicht im Morgen oder Gestern. Kein Mensch kann über lange Zeit gleichzeitig die Lasten der Vergangenheit und der Zukunft auf seinen Schultern tragen. Heute ist der einzige Tag, den ich wirklich gestalten kann. Deshalb ist es ein wirksamer Schutz gegen unsere ausufernden Sorgen, wenn wir versuchen, jeden Tag einzeln zu leben. Eine große Hilfe dabei ist das Gebet. Das Gebet ist wie ein Schlüssel am Morgen und ein Türriegel am Abend.

Herr Jesus, ich gehe gerne mit Dir durch die Wälder und über die Felder. Lächelnd zeigst Du mir die Vögel unter dem Himmel und die Blumen auf dem Feld. Damit ich Abstand gewinne von meinen Sorgen. Damit ich wieder ein Gefühl dafür bekomme, wie schön das Leben ist. Ja, Herr, Du hast Recht: Das Leben ist mehr; mehr als die Nahrung oder die Gesundheit; mehr als alles, um was ich mir Sorgen mache. Freundlich lachst Du mich aus und nennst mich einen "Kleingläubigen". Du stärkst mein Vertrauen zu unserem himmlischen Vater. In seinem Reich darf ich mit Dir und mit vielen anderen leben. Nicht im Stress, sondern auf grüner Aue, Tag für Tag einzeln. Ich vertraue Dir: Der morgige Tag wird für sich selber sorgen, weil der himmlische Vater ihn mir schenkt. Amen.

Ein gesegnetes Wochenende wünscht Ihnen Pfarrer Reinhard Ellsel aus Lübbecke.

Audiobeitrag Anders gewichten! (Matthäus 6,31-34)


Druckversion

Suche

Sendungen der Woche

Sendungen am Sonntag

Sendungen im Fernsehen