Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

07.09.13; Sidney Schering

Finanzielle Schreibblockade

Mein Freund Thomas arbeitet nebenher für die Studentenzeitung an seiner Uni – und weil die es offenbar ganz dicke hat, bekommt er für jeden Artikel Geld. Hut ab.

Thomas sah es bislang als kleinen Antrieb, sich auch wirklich reinzuhängen.

Neulich aber wurde Thomas von einer Schreibblockade heimgesucht. Ihm fiel absolut nichts ein. An der Uni tat sich nichts. Semesterferien. Eigentlich eine Zeit für „inspirierende“ Artikel. Studententipps für günstige Ferien. Alternativen zum Grillen. Wie man sich für eine Hausarbeit motiviert. Solche Sachen halt.

Doch Thomas kam nichts in den Sinn. Und wenn ihm was halbwegs Neues einfiel, erfuhr er, dass seine Kollegen dieses Thema schon behandeln. Je näher die Deadline rückte, desto nervöser wurde er. Also haben wir uns zum Brainstorming zusammengesetzt. Naja, wir hatten es zumindest vor. Irgendwann hab ich Thomas gefragt: „Wieso machst du dir so einen Druck? Dann kommt die Unizeitung halt einmal ohne dich aus ...“ Thomas' Antwort: „Aber ich will doch das Geld ...“

Stille. Thomas erschreckte sich über sich selbst. „Kein Wunder, dass mir nichts einfällt, wenn ich nur noch an den Geldschein denke“, meinte er. Und kritzelte sofort drei Ideen auf einen Zettel. „Ich weiß nicht, ob die hier angenommen werden. Aber ich will die schreiben“, murmelte er in seinen Drei-Tage-Bart. Eine Woche später höre ich, dass ein Artikel angenommen wurde. Der Titel: „Warum wir fürs Lernen studieren, nicht für den Arbeitsmarkt“ Da mussten wir doch schmunzeln.

Sprecher: Daniel Schneider

 

Audiobeitrag Finanzielle Schreibblockade


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